Inkontinenz - ein heimliches Leiden
Veröffentlicht am 18.10.2025

Durch die Inkontinenz kommt es zu einem massiven Verlust an Lebensqualität, zur Vereinsamung durch Flucht aus der Öffentlichkeit.
Bei der Inkontinenz handelt es sich um ein Symptom, nicht um eine eigenständige Erkrankung!
Viele Ursachen bzw. andere Erkrankungen können daher zum ungewollten, unkontrollierten Abgang von Darminhalt führen.
Wichtig ist daher ein ausführliches ärztliches Gespräch, sowie eine genaue Untersuchung:
- Anamnese: vorangegangene Operationen im After? Geburten - Komplikationen? Verletzungen?
- Dickdarmuntersuchung: Rektoskopie, Coloskopie
- spezielle Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen: Defäkographie, transanaler Ultraschall
- Druckmessung der Schließmuskulatur im After
- neurologische Untersuchungen
Da es so viele Ursachen dieses Leidens gibt, kann ich bei der Empfehlung von Therapiemöglichkeiten nur einzelne Themen herausgreifen:
Beckenbodengymnastik-Schließmuskeltraining: unter ärztlicher und physikotherapeutischer Anleitung, in Selbsthilfegruppen oder mittels Biofeedback kann vielfach eine deutliche Verbesserung der Situation geschaffen werden.
Stuhlregulation: durch diätetische oder medikamentöse Maßnahmen, wenn der Stuhl z.B. zu flüssig ist.
Elektrostimulation: die TENS-Therapie, in der Orthopädie und Schmerzbehandlung etabliert, führt hier bei sachgemäßer Anwendung zur Besserung. Die Geräte (siehe Bild) sind mit kassenärztlicher Verordnung über Firmen leihweise zu beziehen.

Operation: viele Verfahren bis hin zum Schließmuskelersatz. Als besondere Methode möchte ich die sacrale Nervenstimulation, kurz SNS genannt, erwähnen. Die SNS wird immer breiter angewendet. Dabei werden im Kreuzbeinbereich die Nerven, die zum Schließmuskel führen, durch einen speziellen Schrittmacher aktiviert. Der Vorteil dabei ist, dass es sich um einen minimal invasiven Eingriff handelt. Auf eine ca. zweiwöchige Testphase mit einem externen Gerät folgt die definitive Implantation eines Schrittmachers in die rechte oder linke Gesäßbacke. Durch diese Methode werden die Kontraktionskraft der Muskulatur, die sensible Wahrnehmung und die Druckverhältnisse im After verbessert. Voraussetzung allerdings ist ein anatomisch weitgehend intakter Schließmuskel. Diese Operation kann auch wenig belastend in lokaler Anästhesie durchgeführt werden.